Reisebericht „Leben und leben lassen“

In ein fernes Land zu reisen ist, wie wohl die meisten von uns bestätigen können, eine aufregende Angelegenheit – jedenfalls eine, die den Blick für ungewohnte Sichtweisen weitet und das Herz für neue Freunde öffnet …

Ein Land zu besuchen, das von einem grundsätzlichen politischen und gesellschaftlichen Wandel erfasst wird und dabei Zeuge sein zu dürfen, ohne von Übergriffen unmittelbar betroffen sein, mag jedoch als besonderer Vorzug gelten.

Das ist es, was eine kleine Reisegruppe aus dem Tullnerfeld um den letzten Jahreswechsel erlebt hat, als sie unter der Leitung von Mohamed S. Tlig durch dessen Heimatland Tunesien gereist ist. Nicht nur, um einige Tage Urlaub zu machen, sondern auch um ein Frauenprojekt zu besuchen, das handwerkliche Produkte zum Verkauf im eigenen Land und seit kurzem im Tullner Weltladen herstellt.

Am 9. April fand im Seminarraum „ Alte Werkstatt“ in St. Andrä-Wördern unter dem Titel „Leben und Leben lassen“ ein Reise- und Projektbericht über Tunesien statt. Martha Vogel, Regula Troxler, David Blocher und Reinhart Buchegger präsentierten Eindrücke von ihrer Reise, die um den Jahreswechsel 2010/11 stattfand. Diese wurde von Mohamed Tlig, einem gebürtigen Tunesier, initiiert und geleitet. Ein weiterer Mitreisender war Marthas Sohn David.

Die Reise war von der Erkundung des Landes geprägt. Den Jahreswechsel verbrachte die Gruppe auf der Insel Djerba am Meer, später, in Mohameds Heimatstadt Ben Gardane, erfuhren sie etwas über das traditionelle Leben in Tunesien und durften ein traditionelles Essen im Beduinenzelt genießen. Der Kamelritt am Rande der Wüste war, neben dem Besuch des größten Salzsees des Landes, einer der beeindruckenden Bergoasen und einer malerischen Schlucht, der schaukelnde Höhepunkt einer zweitägigen Rundfahrt.

Aber die Reisegruppe war nicht nur touristisch unterwegs. In Ben Gardane besuchten sie eine Gemeinschaft von Frauen, die durch die Herstellung von handwerklichen Produkten, wie Taschen, Textilien und Teppichen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten versuchen. Mohamed, der das Projekt `Leben und Leben lassen´ mithilfe des Rainbowtrust ins Leben gerufen hat, unterstützt diese Frauen, indem er mit den von ihnen produzierten Waren den Weltladen Tulln beliefert, der sie seit einiger Zeit im Geschäft anbietet. Um in Zukunft den Grundsätzen des Fairen Handels zu entsprechen, wurden die Produktionsbedingungen vorort kontrolliert und Anregungen zu deren Verbesserung, sowie Wünsche bezüglich der Veränderung einzelner Produkte weitergegeben.

Diese konnten im Anschluß an den Vortrag bestaunt und gekauft werden. Ein tunesisches Buffet lud zum genußvollen Essen ein. Musikalisch unterlegt wurde die Veranstaltung von Walter Orleth – Perkussion, Ingolf Kusternig – Saxophon, Reinhart Buchegger – Digeridoo.

Von Matthias Grümayer

Bilder von der Veranstaltung: